Sächsischer Bücherkoffer

Der Sächsische Literaturrat empfiehlt zehn bemerkenswerte Neuerscheinungen von Schriftsteller*innen, Dichter*innen und Übersetzer*innen in und aus Sachsen. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, bei der die Titel vorgestellt werden und eine Autorin oder Übersetzerin aus ihrem Buch liest. 

    Frühjahr / Sommer 2026

  • Undine Materni und Ruth Habermehl: Manchmal ist es gut an roten Pfeffer zu denken

    Aus einer poetisch-künstlerischen Perspektive auf Frauen in Handwerksberufen, soll ihnen Ehre erwiesen werden. Die Handwerkerinnen kommen in den Gedichten von Undine Materni selbst zu Wort, sprechen von ihren Leidenschaften, dem Wachsen und Werden, ihrem Verhältnis zu Materialien oder Menschen. Die Malerin und Grafikerin Ruth Habermehl hat die Gedichte nicht illustriert, das wäre zu einfach, sondern durch teilweise freche, erstaunliche und augenzwinkernde Collagen ergänzt. Und natürlich ist auch sie eine Handwerkerin, denn ihre Collagen entstehen nicht am Bildschirm, sondern mit ihren Händen, die virtuos mit Kleber, Schere und Stiften umzugehen vermögen. Gedichte und Collagen zur Bäckerin, Köchin, Metzgerin, Damenmaßschneiderin, Herrenmaßschneiderin, Hutmacherin, Goldschmiedin, Uhrmacherin, Schusterin, Friseurin, Posamentiererin, Gärtnerin, Fotografin, Bestatterin, Puppenmacherin, Dessousmaßschneiderin, Zuckerbäckerin.

    Undine Materni *1963 in Sangerhausen - studierte Chemie - arbeitete u. a. als Forschungsingenieurin, Altenpflegerin und Kellnerin - war Mitherausgeberin der Zeitschrift „reiterIn Dresden“ - studierte 1990 bis 1993 am Deutschen Literaturinstitut - ist seit 2006 freie Autorin, Lektorin und Publizistin, Kolumnistin, Kunst- und Literaturkritikerin - lebt in Dresden

  • Martina Lisa, Übersetzerin von: Petr Hruška: Und ich sah mein Gesicht

    ... erreichte das letzte geschundene Schiff der großen Magellanschen Flotte Sevilla. Am Tag genau 500 Jahre später erschien in Tschechien der Gedichtband „Spatřil jsem svou tvář“, in dem Petr Hruška eine fiktive Schiffsreise beschreibt. Inspiriert von Antonio Pigafettas Reisebericht von der ersten Umsegelung der Welt nimmt uns der Dichter mit auf eine poetische Reise, losgelöst von Zeit und Raum.

    Martina Lisa *1981 in Prag - studierte Deutsch und Geschichte in Leipzig - war Dozentin und Workshopleiterin in Zentralasien, im Kaukasus, Russland und in der Ukraine - ist Mitglied im Verlagskollektiv hochroth Leipzig, im VdÜ und beim Netzwerk Lyrik - übersetzt Bücher aus dem Tschechischen und Slowakischen - lebt in Leipzig

  • Jörg Schieke: Chin-chin, der Weg führt ins Mondgestein

    Der Kleine Prinz und Theodor W. Adorno, die Jazzpianistin Aki Takase oder der Fußballer Horst Hrubesch, die Heilige Elisabeth oder Doktor Schiwago - sie alle und v.a. tauchen auf, werden kurzgeschlossen mit Schiekes eigener Biografie und hereingeholt in einen Text, der das rhythmische Grundklopfen mit einem erzählerischen Kern zusammenführt. Den Gedichten beigegeben sind sieben Prosastücke, sieben überbelichtete Erinnerungen an Zustände des Zu-Sich-Kommens oder Aus-der-Welt-Fallens. 

    Jörg Schieke *1965 in Rostock - studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig - war Redakteur der Literaturzeitschrift EDIT und Lektor im Gustav Kiepenheuer Verlag – hat zuletzt den Gedichband „Silverman schickt mich“ veröffentlicht - arbeitet als Schriftsteller, Literaturkritiker und Moderator in Leipzig

  • Franziska Wilhelm: Die Geschichte des Fröstelns

    Ihre Ahnen haben Forschungsgeschichte geschrieben. Doch ihre Genialität hat einen Preis, denn sie ist mit einem rätselhaften Phänomen verbunden. Vor allem die männlichen Familienmitglieder teilen einen extremen Hang zum Frösteln. Fast immer ist ihnen kalt und sie müssen ihre Umgebung auf ein Maximum aufheizen. Alma ist eines der wenigen weiblichen Familienmitglieder, das von diesem Phänomen betroffen ist. In der Schule macht es sie zur Außenseiterin, aber das ist ihr egal. Als ihre Mutter jedoch schwer krank wird, muss Alma ihr versprechen, einen Menschen für sich zu finden, der Wärme in ihr Leben bringt. So begibt sich Alma auf eine Suche, die sie nach Leipzig, Berkeley und Aix-en-Provence führt. Sie lehnt sich dabei gegen das strenge Diktat ihrer unterkühlten Familie auf, sie kämpft um Freundschaft und Liebe und dafür, sie selbst sein zu dürfen.

    Franziska Wilhelm *1981 in Erfurt – studierte Kommunikations-und Medienwissenschaften – fand ihren Einstieg in die Literatur über Poetry Slams – debütierte 2014 mit dem Roman „Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen“ - erhielt mehrere Literaturpreise und Stipendien, darunter ein Aufenthaltsstipendium des Hessischen Literaturrats in Bordeaux, das Märkische Stipendium für Literatur und das Literaturstipendium des Freistaats Sachsen - lebt als Autorin und Moderatorin in Leipzig

  • Josephine Mark: Red

    Gleich darauf bereut sie es bereits, dem dreibeinigen Streuner Obdach gewährt zu haben, scharwenzelt Friedwart doch schwänzelnd und schwadronierend um sie herum, wild entschlossen, sich ein dauerhaftes Plätzchen in Herz und Hütte der alten Dame zu erobern… Just in dem Moment, da die resolute Rosa den Hund wieder vor die Tür setzen will, erschnüffelt dessen feine Spürnase… Blut! Ganz hinten im Schrank! Gemeinsam stürzen sie sich in die Aufklärung eines Cold Case – 30 Jahre zuvor hatte ein tragischer Unfall den Ort in Aufruhr versetzt. Nur ist sich Rosa sicher: Das war kein Unfall, das war Mord! Verdächtig: die halbe Nachbarschaft. Das Opfer: Rosas Mann Red! 

    Josefine Mark *1981 in Naumburg (Saale) - zeichnet bereits seit ihrer Kindheit- studierte Museumspädagogik - gestaltete Flyer, Plakate und Plattencover für Bands und studentische Projekte - arbeitete als Grafikerin für die Leipziger Moritzbastei - seit 2019 freiberufliche Comic-Künstlerin, Grafikdesignerin und Illustratorin - lebt in Leipzig

  • Judith Burger: Nachrichten aus dem Inneren der Katze

    Um Geld zu verdienen, jobbt sie im kleinen Kunstmuseum vor Ort. Eines Morgens ist das schönste Bild verschwunden. Da, wo Nachrichten aus dem Inneren der Katze hing, ist nur ein leerer Fleck. Aber wieso zeigt Museumsdirektor Brunse den Diebstahl nicht an? Wieso verhält sich ihre Tante Käthe seitdem noch merkwürdiger als sonst schon? Und der wahnsinnig schöne Paul, der plötzlich auftaucht: Wie passt der ins Bild? Kunstkrimi, Familiengeheimnisse und die Liebe – und Sylvie mittendrin!

    Judith Burger *1972 in Halberstadt - studierte Kultur- und Theaterwissenschaften - arbeitet für MDR Kultur - schrieb u.a. die Kinderromane „Gertrude grenzenlos“ und Roberta verliebt“ - erhielt für „Gertrude grenzenlos“ den Gustav-Heinemann-Friedenspreis - lebt in Leipzig

  • Bertram Reinecke: Dornengesichte. Kommentare und Dokumente

    Geht der Erzähler in der Titel-Erzählung „Dornengesichte“ tatsächlich im Wald verloren – oder verliert er sich im Wahn seines eigenen Denkens, kämpft er vielmehr mit den eigenen Vorstellungen als mit dem Dickicht, geht er in seinem eigenen Kopf im Kreis? Solche Fragen könnten auch Rainer Maria Rilke beschäftigen, wenn er die Kommentare liest, mit denen Gerhart Hauptmann eines seiner Gedichte bedenkt, in dem dieser offenbar nichts anderes als sein eigenes Spiegelbild erkennen kann. Und sind es wirklich Verblendungen, mit denen ein zeitgenössischer Kunstrichter auf die Malerei von Caspar David Friedrich reagiert – oder sind wir diejenigen, die uns im Nebel der Kunstgeschichte verirrt haben? Ganz zu schweigen von den Notwendigkeiten, ein Bestattungsunternehmen am Puls des Zeitgeists zu erneuern und weiterzuentwickeln … 

    Bertram Reinecke wuchs in Mecklenburg auf - studierte Philosophie und Germanistik in Greifswald – studierte später am Deutschen Literaturinstitut – gründete 2009 den Verlag Reinecke & Voß – schreibt Prosa, Essays und Vorlagen für Werke der zeitgenössischen Musik – bereits erschienen sind mehrere Gedichtbände, u.a. „Daphne, ich bin wütend“ im Verlag Poetenladen - parallel zu seinem zweiten Prosaband „Dornengesichte, Kommentare und Dokumente“ erscheint sein Langgedicht „Mit den Jahren / Selbst 10/24“ - lebt in Leipzig

  • Volker Sielaff: Fragen an den Yeti

    Wie stehen unsere Chancen auf Wiedergeburt? Und schließlich: Ist der Yeti schon informiert? In seinen neuen Erzählgedichten zeigt sich Volker Sielaff thematisch und formal so offen wie nie zuvor. Hier schreibt einer, der die Regeln kennt – aber lieber sein eigenes Spiel spielt. Einer, der weiß, dass er sich nicht zwischen Reim und freier Form entscheiden muss, wenn er doch beides haben kann. "Fragen an den Yeti" spannt einen weiten Bogen: von der Kindheit in der Lausitzer Provinz bis in die Straßen von London. Wir begegnen Lawrence Ferlinghetti, Sylvia Plath und Frank O`Hara; dem Vogelmann und einer anonymen jungen Künstlerin. Am Ende des Bandes wartet eine Fortsetzung der "Mystischen Aubergine", die Sandra Hüller 2020 als Hörbuch eingelesen hat.

    Volker Sielaff *1966 in Großröhrsdorf  - debütierte 2003 mit einem Gedichtband, dem zahlreiche Werke folgten - erhielt 2007 den Lessing-Förderpreis - 2015 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung für sein literarisches Werk und 2022 das London Stipendium des Deutschen Literaturfonds – zuletzt erschien "Ovids Würfelspiel -  lebt als Schriftsteller und Publizist in Dresden

  • Lara Rüter: Affenliebe

    ... sie wollen möglichst viel Lust und Geborgenheit und starren dann wieder vor sich hin: die Menschen – nein, die Menschenaffen. Jahrelang hat die Lyrikerin Lara Rüter in einem Primatenforschungsinstitut gearbeitet. In ihrem Text erzählt sie radikal von den Affen und von sich selbst: von Lebensanfängen und vom Sterben, von Freiheitsdrang und Berührung. Im Alltag mit den Affen drängt sich immer wieder dieselbe Frage auf: Wie fühlt es sich an, ein Mensch zu sein? Schwebend vor Gedichtzitaten, Wissenschaftsfragen und Momenten am Gehege zeigt dieser Essay, wie Schreiben die Welt verändert.

    Lara Rüter
    *1990 in Hannover - studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig - war Preisträgerin für Lyrik beim Open Mike - erhielt 2020 den Caroline-Schlegel-Förderpreis für Essayistik - 2021 den Wolfgang-Weihrauch Förderpreis beim Literarischen März – debütierte mit dem Gedichtband „amoretten in netzen“ - lebt in Leipzig

  • Domenico Müllensiefen: Manchmal muss man sich entscheiden

    Ein Roadmovie durch unser Land und seine Zweifel. Die Gefühlsreise einer einfachen Frau, die einmal im Leben die richtige Entscheidung treffen muss.Sandra hat viel verloren, ihren Mann, ihren Vater, das ganze Geld und das Sorgerecht für ihre Tochter Mia. In einem alten Lkw fährt sie Schlachtvieh oder Elektronik durch Europa. Diesmal wird sie von Mia begleitet. Als sie den Ex-Knacki Dirk auf einem Rastplatz trifft und in seinen Lkw steigt, weiß sie nicht, welche Fracht sie übernimmt. Sie weiß nur, dass sie das Geld braucht, um Mia eine Zukunft bieten zu können. Doch genau diese Zukunftsfrage stellt sich ihr viel vehementer, als Sandra erfährt, welche Fracht sie transportiert. Wir schaffen das? Mal sehen, wenn’s wirklich drauf ankommt.

    Domenico Müllensiefen *1987 in Magdeburg - verbrachte seine Kindheit und Jugend auf einem Bauernhof in der Altmark – lernte bei der Deutschen Telekom - Studium und Master am Deutschen Literaturinstitut – erhielt für seinen Debütroman "Aus unseren Feuern" den Uwe-Johnson-Förderpreis sowie den Klopstock-Förderpreis - lebt in Leipzig

Der Sächsische Literaturrat empfiehlt zehn bemerkenswerte Neuerscheinungen von Schriftsteller*innen, Dichter*innen und Übersetzer*innen in und aus Sachsen. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, bei der die Titel vorgestellt werden und eine Autorin oder Übersetzerin aus ihrem Buch liest.