Nachrichten

Ausgezeichnete AutorInnen aus Sachsen!

05.11.2020
 
Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen hat ihre Stipendiaten für das Jahr 2021 bekannt gegeben. Im Bereich Literatur sind folgende AutorInnen aus Sachsen mit einem Stipendium bedacht worden: 
 
Thomas Böhme, Martina Hefter, Anja Kampmann, Dong Li, Lina Morawetz, Anselm Oelze, Ronya Othmann, Carina Pesch und Bettina Wilpert erhalten ein Arbeitsstipendium für die Dauer von drei bzw. sechs Monaten. 
 
Frederik Müller, Rebecca Salentin, Paul Jeute, Marina Schwabe und Roman Israel erhalten eine Zusage für einen je zweimonatigen Arbeitsaufenthalt an namhaften Literaturorten in Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei. 
 
Der Sächsische Literaturrat gratuliert allen StipendiatInnen recht herzlich und wünscht viel Erfolg bei den geplanten Schreibprojekten! 
 

Offener Brief der DGB Sachsen an die Staatsregierung

Strukturen für den Zusammenhalt sichern und in Sachsens Zukunft investieren

23. 10. 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Corona-Pandemie stellt Politik und Gesellschaft vor ungekannte Herausforderungen. Das entschlossene Handeln der Politik sorgte bei allen Problemen und Verwerfungen für Stabilität. Das Gesundheitssystem konnte vor einer Überlastung bewahrt werden, und der massive Anstieg von Arbeitslosigkeit wurde zunächst verhindert. Industrie und Handwerk erfuhren Unterstützung. Verbände und Vereine konnten ihre wichtige Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für das Gemeinwohl fortführen.

Wir blicken auf eine gesamtgesellschaftliche Leistung, bei der die Stützen unseres Gemeinwesens sichtbar wurden. Ohne die vielen Menschen, die unser Land während der Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufrechterhalten haben, wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen. Pflegekräfte, medizinisches Personal, Beschäftigte in Einzelhandel und ÖPNV hielten die Strukturen und das Leben trotz der Einschränkungen aufrecht.

Beruflich und ehrenamtlich Engagierte organisierten vor Ort Nachbarschaftshilfe, veranlassten telefonische Beratungsangebote und ermöglichten Gemeinschaft in Zeiten der Distanz. Sie alle sorgten für Zuversicht und Rückhalt in der Krise und haben einen unverzichtbaren Beitrag zur Bewältigung der Krise geleistet. Ob im Familienzentrum, dem Jugendtreff, der Integrationsberatung oder dem Kulturverein.

Doch weder die Pandemie noch die ökonomischen, gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen sind bewältigt. Auf viele Menschen wirken sich die Maßnahmen im privaten und beruflichen Bereich negativ aus. Kinder und Jugendliche waren  lange Zeit auf sich allein gestellt, soziale Problemlagen haben sich verschärft, Arbeitsplätze sind gefährdet, Diskriminierungen und Gewalt im Netz und auf der Straße haben zugenommen. Die Pandemie reißt neue und alte gesellschaftliche Gräben. Sie schürt bei manchen die Ablehnung gegen die demokratischen Institutionen und stärkt mancherorts die Feinde der Demokratie.

Die bevorstehenden Haushaltsverhandlungen der Staatsregierung müssen daher unbedingt die Lebens- und Arbeitsbedingungen aller hier lebenden Menschen und den Zusammenhalt der Gesellschaft im Blick haben. Eine rein fiskalische Perspektive hätte fatale Folgen für unser Land, insbesondere für die ohnehin schon strukturarmen ländlichen Regionen. Generationengerechtigkeit darf nicht nur monetär betrachtet werden. Der Erhalt sozialer, kultureller und demokratischer Angebote gehört ebenso dazu wie kluge Investitionen, um unseren Freistaat zukunftsfest aufzustellen.

Wir fordern die Staatsregierung auf, den begonnenen Weg einer aktiven staatlichen Politik zum Ausgleich der ökonomischen und sozialen Folgen der Pandemie fortzusetzen. Es geht um eine lebenswerte Zukunft für alle Bürgerinnen und Bürger unseres Freistaates – vom Kind bis zur Rentnerin, vom Zugezogenen bis zum Handwerker, von der Jugendlichen bis zu Arbeitslosen.

Die Kürzungen aus dem Jahr 2010 haben den Einbruch etablierter und wirksamer Strukturen in Sozial-, Kultur-, Jugend- und Bildungsbereichen mit sich gebracht. Diese wirken bis heute nach und haben das Vertrauen der Menschen in die Politik beschädigt. Schlimmer noch waren aufkommende Zweifel an der Leistungsfähigkeit unserer Demokratie. Die fiskalischen Fehler der Vergangenheit dürfen sich deshalb nicht wiederholen. Sachsen würde um Jahre zurückgeworfen. Erreichtes leichtfertig preisgegeben.

Unsere Zukunft ist geprägt von tiefgreifenden gesellschaftlichen Herausforderungen: Abwanderung und Fachkräftemangel, nachhaltige Energie- und Verkehrspolitik, Digitalisierung und Stärkung des Zusammenhalts, Integration und Demokratieförderung. Zukunftsnetzwerke zur Fachkräfteentwicklung, zur Schaffung von Guter Arbeit und für den Strukturwandel sowie die Stärkung vielfältiger Lebensweisen. Um den damit verbundenen Aufgaben gerecht zu werden, dürfen mühsam aufgebaute Strukturen nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Die Aktivitäten der Staatsregierung haben in den letzten Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass wichtige kulturelle, soziale und wirtschaftliche Infrastrukturen gestärkt wurden. Die unterzeichnenden Organisationen appellieren nachdrücklich an die Staatsregierung, diesen Weg fortzusetzen. Kürzungen wären das falsche Signal an die Menschen in Sachsen und könnten mühsam erworbenes Vertrauen in die politischen Institutionen grundlegend beschädigen.

Die Corona-Krise braucht entschlossenes politisches Handeln und Mut. Die Beschäftigten, die Verbände und Vereine, die vielen Ehrenamtlichen und die gesamte Zivilgesellschaft sind gemeinsam mit Politik und Verwaltung bereit, Verantwortung zu übernehmen und alles dafür zu tun, damit Sachsen und seine Bewohnerinnen und Bewohner gut durch die Krise kommen.

Wir wollen das weiter leisten. Dafür brauchen wir jetzt ihre Unterstützung!

Alle unterstützenden Organisationen und Einzelpersonen finden Sie hier.

 

In eigener Sache

P R E S S E M I T T E I L U N G

29.09.2020

Geschäftsführung im Sächsischen Literaturrat e.V. künftig als Doppelspitze

Bettina Baltschev und Anja Kösler werden ab 1. November die neuen Geschäftsführerinnen des Sächsischen Literaturrates e.V. sein. Die künftige Doppelspitze, die sich als Team beworben hatte, wurde unter insgesamt 30 Bewerbungen vom Vorstand des sächsischen Landesdachverbandes für Literatur ausgewählt.
Bettina Baltschev (*1973) arbeitet als freie Literaturkritikerin und Redakteurin für den Hörfunk und war u.a. Geschäftsführerin der Kurt Wolff Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene (2001–2007). Anja Kösler (*1974) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin in der Programmkoordination von „Leipzig liest“ für die Leipziger Buchmesse und seit 2018 mitverantwortlich für die Organisation und Programmentwicklung des Literarischen Herbstes – Festival für Literatur in Leipzig.
Die Doppelspitze löst die nun zum 30. November scheidende Geschäftsführerin Dr. Sibille Tröml ab, die den Verband nach fast 20 Jahren auf eigenen Wunsch verlässt. Zusammen mit den wechselnden ehrenamtlichen Vorständen gelang es ihr, den 1995 gegründeten und seit 1996 vom Land Sachsen institutionell geförderten Sächsischen Literaturrat e.V. zu einem auch über die Landesgrenzen hinaus anerkannten Landesdachverband zu etablieren.
Der Sächsische Literaturrat e.V. ist der Landesdachverband literarischer Vereine, Verbände und Institutionen. Als Informations- und Vernetzungszentrum in Sachen Literatur in und aus Sachsen sieht er sich der Vermittlung/Lobbyarbeit für die Literatur und das Lesen sowie der Förderung und Pflege der Literatur und des literarischen Lebens im Freistaat Sachsen verpflichtet.

Auskünfte erteilt:
Sächsischer Literaturrat e.V.
Der Vorstand
Tel. 0341 - 350 59 60/61
www.saechsischer-literaturrat.de

Aus unseren Mitgliedsvereinen

Landesfachstelle für Bibliotheken in Sachsen
Neuer Leiter der Landesfachstelle für Bibliotheken in Sachsen (LFS) ist seit Beginn dieses Jahres Dr. Robert Langer. Der 1973 in Hoyerswerda geborene Slawist, Germanist und promovierte Philosoph mit Masterabschluss in Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist ausgewiesener Provenienzforscher sowie Verleger. Er sei „bestrebt, die verdienstvolle Arbeit“ seiner Vorgängerin Waltraud Frohß „fortzuführen“. „Gleichzeitig werde ich zusammen mit den erfahrenen Mitarbeiterinnen nach Wegen suchen, wie wir den Auftrag der LFS weiterhin kreativ umsetzen können“, so Langer in BibInfoNews 1/2020. Im sächsischen Koalitionsvertrag wurde die LFS mit neuen Aufgaben betraut und im Zuge einer Neuausrichtung an die SLUB angegliedert.

Landesverbandes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Seit 1. Juli 2020 ist Heike Haupt neue Geschäftsführerin des Landesverbandes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die ausgebildete Buchhändlerin und Diplom-Buchhandelswirtin war u.a. beim Verlag Faber & Faber sowie im Leipziger Universitätsverlag tätig. Sie arbeitet bereits seit 2018 in der Geschäftsstelle des Landesverbandes, den sie in den Jahren zuvor bei den Thüringer Buchtagen unterstützt hatte. Heike Haupt löst Nora Milenković-Göhring ab, die den Verband seit 2014 leitete und sich aus familiären Gründen vom Börsenverein verabschiedete.

Wir gedenken

Ana Maria Brock (1930-2019)
freischaffende Literaturübersetzerin von 1959 bis 2007
„Wer in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR Mark Twain oder Henry James lesen wollte und das nicht im Original tun konnte, machte Bekanntschaft mit den stilsicheren Übersetzungen von Ana Maria Brock, die im Aufbau-Verlag Berlin erschienen." (Reinhild Böhnke in „angezettelt“ 2/2015)

Horst Drescher (1929-2019)
1958 Lektor im Mitteldeutschen Verlag, seit 1960 freischaffend
„Jetzt wird Frühling, und kurioserweise in allen Bundesländern, den alten und den ehemaligen neuen. So ist am Ende noch etwas Erfreuliches gesagt.“ (Horst Drescher in Briefen an Reiner Kunze; Aus: R. Kunze „Am Sonnenhang“, 1995) 

Ulf Großmann (1957-2020)
Seit 2011 Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Kommunalpolitiker – u.a. Bürgermeister für Kultur, Bildung, Sport, Jugend und Soziales in Görlitz von 1994 bis 2008
Ulf Großmann war ein stets engagierter, warmherziger Kulturvermittler, der sich sehr für die Belange der Vereine und der Literatur in Sachsen interessiert und eingesetzt hat.

Werner Heiduczek (1926-2019)
Schriftsteller
„Es ist das Vorrecht der Jugend zu behaupten, Antworten auf die Fragen des Lebens zu wissen. Es ist ebenso das Vorrecht des Alters zu behaupten: Es gibt keine Antworten. Es gibt immer nur neue Fragen. Das Böse bleibt böse. Das Gute gut. Nur die Kleider wechseln.“ (1994)

Gottfried Herold (1929-2019)
Autor von Kinderbüchern, Prosa, Lyrik
„Der Dresdner Kinderbuchautor konnte mit der Sprache spielen wie wenige. Er dreht die Wörter mit Witz hin und her, bis sie passen. Und wenn sie mal nicht passen wollten, erfand er sich neue dazu.“ (Karin Großmann in „Sächsische Zeitung“ 2019)

Lis Kleeberg (1916-2019)
Die in Leipzig geborene und hier verstorbene Schriftstellerin war 1990 Gründungsmitglied des Förderkreises Freie Literaturgesellschaft, des Literaturbüros Leipzig, des Vereins zur Förderung der Leipziger Stadtbibliothek. Ihr erster Roman „Schmale Sonne. Roman einer Siebzehnjährigen“ (1975) erschien in vier Auflagen.

Dr. Jürgen Krätzer (1959-2019)
Der 1959 in Leipzig geborene und in Taucha lebende Germanist hatte ab 2012 als Herausgeber der Literaturzeitschrift „die horen“ fungiert. Bis dahin hatte er bereits zehn Jahre in der Redaktion mitgewirkt und zudem einzelne „horen“-Bände herausgegeben.

Bernd Leistner (1939-2019)
Der habilitierte Literaturwissenschaftler und Schriftsteller war von 1988 bis 1992 Dozent am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“, danach bis 2004 ordentlicher Professor in Chemnitz. Er war 1985 mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet worden sowie u.a. Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.

Birgit Peter (1954-2020)
Verlagsleiterin, Lektorin, bis Ende 2018 Geschäftsführerin des Literaturhauses Leipzig
„Welcher Name fällt einem ein, der nicht in Leipzig im Literaturhaus war? Wohl keiner. Das ist ganz ihr Verdienst.“ (Thorsten Ahrend in der „Leipziger Volkszeitung“)
 
Silvio Pfeuffer (1969-2019)
Philosoph, Dichter, Mitbegründer der Literaturzeitschrift „Edit“
„wir tragen in die trennungen keinen richtungsstreit mehr hinein / behalten sie in dem abstand / den sie selber gewählt haben / bis ihnen die knochen schmerzen (...)“ (Aus: zis. In: Es gibt eine andere Welt. Eine Anthologie aus Sachsen, 2011)
 
Helmut Richter (1933-2019)
Lyriker, Schriftsteller, Textdichter; Verfasser von „Über sieben Brücken mußt du gehen“
„(...) Es ist mir, leider, nicht allzu viel gelungen. / Und doch ergehe ich mich nicht in Weh und Ach; / Ich bin noch immer von Erwartung tief durchdrungen / Und sinne Träumen, nicht Vergangenem nach. / (...)“ (1998)
 
Rudolf Scholz (1939-2019)
Lyriker, Erzähler, Kritiker
„Ach, das Heitre, wie sag ich's? Warum gelingt's mir so selten? / Warum klingt stets in den Dingen ein dunkler Ton leise auf? / Ist's meine eigene Stimme, die zu mir spricht aus der Tiefe / und mir - wie nach altem Gesetz - plötzlich die Leichtigkeit nimmt?“ (Aus „Dresdner Elegien“, 2018)
 
Roswitha Geppert (1943–2018)
Schriftstellerin
Im Jahr 2013 schrieb Volker Ebersbach in seiner Würdigung zu ihrem 70. Geburtstag in „angezettelt“ 2/2013: "Wir waren uns in Gesprächen einig: Die Seele altert nicht.“
 
Regine Lemke (1949-2018)
Mit Sachkompetenz, Engagement, Wärme und Fröhlichkeit leitete sie den Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen des Deutschen Börsenvereins, den Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen, die Gebäudegesellschaft Haus des Buches, das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels und immer wieder unterstützte sie den Sächsischen Literaturrat.
 
Steffen Mohr (1942-2018)
Der Schriftsteller, Liedermacher, Krimiautor, Radio- und Fernsehmacher bezeichnet sich gern als „Lebenskünstler“, er war aus der literarischen Vereinslandschaft Sachsens seit 1990 nicht wegzudenken.
 
Uwe Nösner (1960-2018)
Der Dresdner Dichter veröffentlichte Lyrikbände, zuletzt zwei Bücher zu religiösen und philosophischen Themen. Herausragend war die von ihm vorgenommene Transkription und Erstveröffentlichung von Victor Klemperers Tagebüchern, die ab 1987 als Fortsetzungsserie in der Zeitung erschienen.
 
Ulrich Schacht (1951–2018)
„Bote des Lichts. Zeuge der Dunkelheit“ - mit diesen Worten überschrieb Sebastian Kleinschmidt in „angezettelt“ 1/2014 seine Laudatio für Ulrich Schacht aus Anlass der Verleihung des Eichendorff-Preises 2013.

Über unsere Ehrenmitglieder

Wir gedenken

Kito Lorenc (1938-2017)
„VOREILIG. Ich plane plane, inzwischen schafft Körper der falsche
Kumpel Tatsachen. Schnell schreibe ich, ihn abzulenken, Nachrufe.“
(Kito Lorenc „Windei in der Wasserhose des Eisheiligen")

Peter Härtling (1933-2017)
„Meine Schritte werden kürzer / und die Entfernungen von Wort zu Wort größer. / (...)“
(Peter Härtling „Zusammenhänge“)