Bei uns zu Gast

Informationen zum Projekt

Die Lesereihe "Bei uns zu Gast" findet im Leipziger Haus des Buches statt. Sie hat drei Schwerpunkte:

  1. Autoren, die aus Sachsen stammen bzw. deren Schaffen eng mit dem Freistaat verbunden ist, die aber nicht mehr hier leben, mit einer Neuerscheinung
  2. namhafte Schriftsteller aus dem deutschsprachigem Raum mit einer Neuerscheinung,
  3. eine biographische Neuerscheinung zu einem bereits verstorbenen Autor bzw. zu einem uns wichtigen Thema (beides meist, aber nicht ausschließlich aufgrund eines Jubiläums).

Alle Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Kuratorium Haus des Buches e.V. Leipzig statt.

Kartenreservierungen unter Tel. 0341 - 350 59 61 oder info@saechsischer-literaturrat.de

Veranstaltungen

cover: Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"

Erich Kästner
"Das Blaue Buch. Geheimes Kriegstagebuch 1941-1945"
(Atrium Verlag, 2018)

5. Dezember 2018 - 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé

Jörg Schieke im Gespräch mit dem Herausgeber Sven Hanuschek

Nachdem Erich Kästner 1933 von den Nazis als Autor verboten worden war, entschloss er sich, ein geheimes Tagebuch zu führen. Dazu griff er auf ein blau eingebundenes, unbeschriftetes Buch zurück, das er in seiner Bibliothek versteckte. Von 1941 bis Kriegsende schrieb Kästner auf, was sich an der Front und in Berlin ereignete, notierte Heeresberichte und Massenexekutionen ebenso wie Kneipenwitze über Goebbels und Hitler, die schon bald nur noch hinter vorgehaltener Hand gemacht wurden. Er dokumentierte seinen zunehmend von Stromsperren und Bombenangriffen geprägten Alltag bis zur Kapitulation im Mai 1945 und berichtete, was sich in den Monaten danach abspielte.

Die von Sven Hanuschek in Zusammenarbeit mit Ulrich von Bülow und Silke Becker herausgegebene und umfangreich kommentierte deutsche Erstausgabe umfasst neben Kästners Kriegstagebuch u.a. auch seine gesammelten Notizen für einen Roman über das „Dritte Reich.

cover: Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"

Irena Brežná
"Wie ich auf die Welt kam. In der Sprache zu Hause"
(Rotpunktverlag., 2018)

18. Oktober 2018 - 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé

Moderation: Dr. Hans-Christian Trepte

„Denke, was du willst, aber sag es nicht.“ – mit diesem mütterlichen Rat wuchs Irena Brežná zu Hause in der Tschechoslowakei auf. Das Verbot hat aus ihr eine Schreibende gemacht, die von sich selbst sagt: „Jeder meiner Texte ist immer noch ein Aufbäumen gegen das Gebot des Schweigens und des Nichthandelns.“ 1968, der Prager Frühling und seine Niederschlagung sowie ihre damit verbundene Emigration stellen einen tiefgreifenden Wendepunkt in ihrem Leben dar. In ihren Essays und Reportagen denkt Irena Brežná u.a. nach über 1968 in Bratislava, über die „Samtene oder sanfte Revolution“ 1989 und den Slowakischen Frühling 2018, über die „Emigrantenexistenz“ und den „Panoramablick“ Friedrich Dürrenmatts sowie über das Schreiben im Krieg.

Irena Brežná wurde 1950 in Bratislava geboren, 1968 emigrierte sie in die Schweiz. Die Journalistin, Schriftstellerin, Slawistin, Psychologin und Menschenrechtlerin wurde für ihre Publizistik und Literatur mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Zürcher Journalistenpreis (2000) und dem Schweizer Literaturpreis (2012).
Dr. Hans-Christian Trepte wurde 1950 in Freital geboren und arbeitete u.a. an der Universität Leipzig.

Eintritt: 5 / 4 Euro

Die Veranstaltung wird gefördert durch Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

cover: Peter Walther "Hans Fallada. Die Biographie"
Dichten in Prosa
Angela Krauß in Lesung und Gespräch mit Nicole Bary
 
12. Juni 2018 - 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé
 
Seit mehr als zwanzig Jahren lädt "Die Fähre" ausländische Autoren nach Leipzig ein, die von ihren sächsischen Übersetzern vorgestellt werden. So präsentiert sich der Sachse (und auch die Sächsin) als Multiplikator/in für Weltliteratur. Aber wer trägt die Werke der Sachsen in die Welt hinaus? Natürlich ebenfalls eine Übersetzerin oder ein Übersetzer, dem der Autor sein Werk anvertraut. Ohne Wenn und Aber. Über dieses Vertrauensverhältnis wird die sächsische Schriftstellerin Angela Krauß mit ihrer französischen Übersetzerin Nicole Bary sprechen.
Wie weit darf sich eine Übersetzung vom Original entfernen? Ist es ein Kompliment für die Übersetzung, wenn sie sich wie ein Original liest? Darf der Übersetzer den Autor "verbessern"? Welche Rolle spielen Zeitdruck und Bezahlung für die Qualität der Übersetzung? Nicht auf alle Fragen wird es eine befriedigende Antwort geben, aber es wird ganz sicher spannend.

Angela Krauß hat die Welt bereist, Poetikvorlesungen in Frankfurt und Berlin gehalten, ist PEN-Mitglied und gehört mehreren Akademien an. Zahlreiche Auszeichnungen wertschätzen ihre unverwechselbare Art des Dichtens in Prosa. Und sie ist Leipzigerin geblieben.
Nicole Bary lebt in Paris und übersetzte u.a. Herta Müller und Christoph Hein. Sie ist, im wahrsten Sinne des Wortes, Kulturvermittlerin zwischen Frankreich und Deutschland, u.a. im Beirat der deutschen Christa Wolf Gesellschaft.
 
Eintritt: 5 / 4 Euro
 
Veranstalter: Sächsischer Übersetzerverein "Die Fähre" e.V., Sächsischer Literaturrat e.V.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig
cover: Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"

Wolfgang Martynkewicz
"Tanz auf dem Pulverfass. Gottfried Benn, die Frauen und die Macht"
(Aufbau, 2017)

20. Februar 2018 - 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé

Moderation: Jörg Schieke

"Von den Frauen und der Macht fühlte er sich gleichermaßen herausgefordert, sie übten auf den Dichter eine höchst verführerische Wirkung aus, eine Wirkung, die so groß war, dass er sich immer wieder entziehen und zurückziehen musste. Benn sprach dann von seinem 'Einsamkeitsdrang', von seinem Hang zu Melancholie, seinen, wie er augenzwinkernd sagt, 'Abnormitäten' - und davon, dass mit ihm, dem Solitär, eben ,kein Staat`zu machen sei." (W. M.) Trotzdem war es gerade dieser Hang zu Einsamkeit, Schwere und Trauer, weshalb die Frauen Gottfried Benn reihenweise erlagen, oft zwei auf einmal. Zu ihnen gehörten u. a. Else Lasker-Schuler, die sich mit 43 Jahren in den 27-Jährigen verliebte, Tilly Wedekind sowie Thea Sternheim und ihre Tochter Mopsa. Nicht nur für Mopsa aber gab es "zwei Benns": den von ihr idealisierten, den sie als "Genie" feierte, und den "realen", ein zweideutiger Charakter, "böse... dick, häßlich".
In seinem Buch erzählt Wolfgang Martynkewicz die Lebens- und Liebesgeschichte Gottfried Benns zwischen den Polen Aufbruch und Katastrophe. Sie bestimmten das Leben des Dichters im 20. Jahrhundert.

Wolfgang Martynkewicz ist freier Autor und Dozent an den Universitäten Bamberg und Bayreuth. Er veröffentlichte zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zur Geschichte der Psychoanalyse.

Eintritt: 5 / 4 Euro

Veranstaltungen der vergangenen Jahre

  • 2017: Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol" (Rowohlt), Peter Walther "Hans Fallada. Die Biographie" (Aufbau), Marcel Beyer "Das blindgeweinte Jahrhundert" (Suhrkamp)
  • 2016: Anna Mitgutsch, Hildegard Baumgart, Volker Braun
  • 2010 bis 2015 (Auswahl): Kerstin Decker, Friedrich Christian Delius, Ulrike Draesner, Angelika Klüssendorf, Ralf Rothmann, Hans Joachim Schädlich, Rolf Schneider, Reiner Stach, Jennifer Teege, Gernot Wolfram