Bei uns zu Gast

Informationen zum Projekt

Die Lesereihe "Bei uns zu Gast" wurde 1996 ins Leben gerufen und findet im Leipziger Haus des Buches statt. Sie hat drei Schwerpunkte: Autoren, die aus Sachsen stammen bzw. deren Schaffen eng mit dem Freistaat verbunden ist, die aber nicht mehr hier leben; namhafte Schriftsteller aus dem deutschsprachigem Raum; eine thematisch orientierte Veranstaltung, z.B. zu Autoren aus der Literaturgeschichte u.a., aber nicht ausschließlich aufgrund eines Jubiläums. Anlass für eine Veranstaltung ist in der Regel eine aktuelle Neuerscheinung.
Die Lesungen finden in Kooperation mit dem Kuratorium Haus des Buches e.V. Leipzig statt.

Veranstaltungen

cover: Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"

Reservierungen sind für alle Veranstaltungen möglich unter:
0341 - 350 59 61 oder info@saechsischer-literaturrat.de

 

Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"
(Rowohlt 
Verlag, 2017)

Lesung & Gespräch am  7. September 2017 um 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé

Moderation: Sibille Tröml

„Meine Mutter war immer eine innere Figur für mich geblieben, Teil einer vagen, im Ungefähren angesiedelten Privatvita, die ich mir jenseits politischer und historischer Zusammenhänge erfunden hatte, in einem Niemandsland, in dem ich ein herkunftsloses, wurzelloses Einzelwesen war. Erst sehr viel später begann ich zu begreifen, wer meine Eltern waren und was für einen ‚Stoff‘ sie mir hinterlassen hatten.“

Jahrzehntelang blieb Natascha Wodins Suche nach der Geschichte ihrer aus der Ukraine stammenden Mutter erfolglos. Das änderte sich erst, als sie deren Namen 2013 ins russische Internet eingeben hatte und ihr die Suchmaschine prompt ein Ergebnis lieferte. Allmählich wuchs ihr nicht nur ein Stammbaum zu, der alle ihre Kinderträume übertrifft. Sie musste auch erfahren, wie stark ihre Familie unter den Brutalitäten des 20. Jahrhunderts zu leiden hatte. Dabei erschloss sich ihr der unermessliche Schmerz, der in dem von der Mutter immer wiederholten Satz steckt: „Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe.“

Das Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2017 ausgezeichnet.

Natascha Wodin wurde 1945 in Fürth/Bayern als Kind russisch-ukrainischer Zwangsarbeiter geboren und wuchs u.a. in deutschen DP-Lagern auf. Sie übersetzte aus dem Russischen, lebte zeitweise in Moskau und debütierte 1983 mit dem Roman „Die gläserne Stadt“. Für ihre Werke erhielt sie u.a. den Hermann-Hesse-Preis und den Alfred-Döblin-Preis.

Eintritt: 6 / 5 Euro
Veranstalter: Sächsischer Literaturrat e.V., Kuratorium Haus des Buches e.V. Leipzig

cover: Peter Walther "Hans Fallada. Die Biographie"

Peter Walther "Hans Fallada. Die Biographie"
(Aufbau Verlag 2017)

Lesung & Gespräch am 15. Juni 2017 um 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé

Moderation: Jörg Schieke

Die Faszination, die von Hans Falladas (1893–1947) Biographie ausgeht, hält bis heute an. „Sie liegt, außer im bewegten und verwickelten Leben selbst, auch darin begründet, dass sich die verschiedenen Bilder nicht zur Deckung bringen lassen: Hier der disziplinierte Arbeiter, der pedantisch den Alltag plant, der respektierte Landwirt, der liebende Familienvater und zuverlässig für seine Angestellten sorgende Vorstand des Hauses, der Schriftsteller, der mit seinen beachtlichen Einkünften die wirtschaftliche Grundlage seines Kleinbetriebs sichert. Und dort der Künstler, bedrängt von seinen Dämonen, der Frauenheld, der politische Opportunist, der Tobsüchtige, der Alkoholiker und Morphinist. Fallada ist am Leben mit einer Größe gescheitert, wie nur wenige sie aufbringen, die es mit Erfolg bewältigen.“ (Peter Walther)
Basierend auf vielen bislang unzugänglichen oder nicht ausgewerteten Originaldokumenten zeichnet Peter Walther ein lebendiges Bild des als Rudolf Ditzen geborenen Schriftstellers. Beachtung findet zudem u.a. die gegenwärtige Popularität seiner Bücher in den USA und Israel.

Peter Walther wurde 1965 in Berlin geboren und dort 1995 promoviert. Zusammen mit Birgit Dahlke, Klaus Michael und Lutz Seiler gab er die Literaturzeitschrift „Moosbrand“ heraus. Er ist Mitbegründer des Literaturportals „literaturport“, einer der Leiter des Brandenburgischen Literaturbüros in Potsdam und veröffentlichte Bücher u.a. zu Peter Huchel und Günter Eich.

Eintritt: 5 / 4 Euro
Veranstalter: Sächsischer Literaturrat e.V., Kuratorium Haus des Buches e.V. Leipzig

cover: Marcel Beyer "Das blindgeweinte Jahrhundert"

Marcel Beyer "Das blindgeweinte Jahrhundert"
(Suhrkamp Verlag, 2017)

Lesung & Gespräch am 7. Februar 2017 um 19.30 Uhr
Leipzig, Haus des Buches, Literaturcafé

Moderation: Tobias Lehmkuhl

Die Liste der Auszeichnungen, die Marcel Beyer für seine literarischen Werke bislang erhalten hat, ist lang und sehr beachtlich. Nach renommierten Ehrungen wie dem Joseph-Breitbach-Preis (2008), dem Oskar-Pastior-Preis (2014) und dem Literaturpreis der Stadt Bremen (2015) wurde ihm 2016 der Georg-Büchner-Preis und damit die wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland überreicht. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigt den Preisträger u.a. mit den Worten: „Seine Texte sind kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich.“
2015/16 hielt Marcel Beyer die „Frankfurter Poetikvorlesungen“ unter dem Titel „Das (blinde) blindgeweinte Jahrhundert“, im April werden sie bei Suhrkamp als Buch erscheinen. Ist Literatur im 20. Jahrhundert, in dem Tod ein Meister aus Deutschland geworden ist, noch möglich? Ist ihre Daseinsberechtigung entfallen, da nach Auschwitz jede kulturelle Produktion nur Ausdruck der Barbarei sein kann? Ist Literatur gerade wegen der Gräueltaten notwendig, gar unumgänglich? Welcher Verfahren hat sie sich zu bedienen? Diese Fragen verfolgt der Autor in seinen poetischen Untersuchungen und hat eine ebenso knappe wie weitreichende Antwort parat: durch Detailarbeit am Material der Realität wie der Literatur. Zudem wird Marcel Beyer Gedichte aus seinem Band „Graphit“ lesen.

Marcel Beyer wurde 1965 in Tailfingen geboren, er lebt seit 1996 in Dresden. Der studierte Germanist ist als Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber tätig. Er schreibt seit nunmehr 30 Jahren – Gedichte, Romane, Essays und Opernlibretti.
Tobias Lehmkuhl ist Literaturkritiker und Autor, arbeitet als freier Journalist und schreibt Reportagen, Essays und Kritiken u. a. für die "Die Zeit" und die "Süddeutsche Zeitung" sowie Features für "Deutschlandradio Kultur".

Eintritt: 4 / 3 Euro
Veranstalter: Sächsischer Literaturrat e.V., Kuratorium Haus des Buches e.V. Leipzig

Veranstaltungen der vergangenen Jahre

  • 2016: Anna Mitgutsch „Die Annäherung" (Luchterhand), Hildegard Baumgart „Bettine und Achim von Arnim. Geschichte einer ungewöhnlichen Ehe“ (Insel Verlag), Volker Braun „Handbibliothek der Unbehausten“ (Suhrkamp Verlag)
  • 2015: Thomas Josef Wehlim, Ralf Rothmann, Reiner Stach
  • 2014: Jennifer Teege, Ulrike Draesner, Angelika Klüssendorf, Literaturland Thüringen unterwegs: Daniela Danz, Christian Rosenau & Hubert Schirneck,
  • 2013: Kerstin Decker, Rolf Schneider, Friedrich Christian Delius
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